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Personzentrierte Körperarbeit und Gesprächsführung GFK

 
 

Personzentrierte Körperarbeit und Gesprächsführung GFK

G    Gesprächsführung nach Carl Rogers
F    Focusing nach Eugene Gendlin
K    Körperarbeit

GFK Hintergrund und Modelle
Die drei Buchstaben im Institutsnamen standen bei der Institutsgründung 1989 für die drei Konzepte und Verfahren, in deren Tradition sich das Institut auch heute noch versteht.

G
Gesprächspsychotherapie ist die Bezeichnung für ein Verfahren, das, inzwischen mehrheitlich unter dem Namen „klientenzentrierte“ oder „personzentrierte“ Psychotherapie bekannt, seit 1940 von Carl R. Rogers und seinen NachfolgerInnen entwickelt wurde. Die klientenzentrierte Konzeptbildung geht davon aus, dass innerhalb einer Beziehung Bedingungen geschaffen werden können, die förderlich sind für den Entwicklungsprozess einer Person. Als hilfreich haben sich folgende Haltungen der Begleitperson erwiesen:

Empathie:
Fähigkeit, sich in die Anliegen des Gegenübers und in seinen speziellen Bezugsrahmen einfühlen und das auch adäquat kommunizieren zu können.
Akzeptanz:
Fähigkeit, die ratsuchende Person mit all ihren Eigenheiten und ihrem gesamten Erleben bedingungslos wertschätzen zu können.
Kongruenz:
Fähigkeit, in Bezug auf die Beziehung zur anderen Person mit sich selber und seinem Erleben so im Kontakt zu sein, dass es präzise wahrgenommen und bei Bedarf in der Beziehung zur Verfügung gestellt werden kann.

Eine differenzierte Schulung im Zuhören, Beantworten und Erfragen der Welt der KlientInnen, im Wahrnehmen und Erstellen der eigenen Präsenz und des gemeinsamen Beziehungsfeldes ist erforderlich. Die Wirksamkeit der klientenzentrierten Therapie beruht in erster Linie auf dieser professionellen Fähigkeit, als Person präsent und dialogisch in Beziehung zu sein.

F
Focusing geht auf den Österreich-Amerikaner Eugene T. Gendlin zurück, der im Zuge seiner Untersuchung von Psychotherapieverläufen feststellte, dass Menschen mit einem guten Zugang zu sich selber eine besondere Art und Weise aufwiesen, mit ihrem Innern Kontakt aufzunehmen. Dieser Effekt war unabhängig von der verwendeten Therapiemethode oder -technik. Auf der Grundlage dieser erlernbaren, differenzierten körperbezogenen Selbstwahrnehmung wird es möglich, in einer inneren Vorwärtsbewegung statt des Verharrens in erstarrten (“strukturgebundenen“) Formen neue Resonanzen und Bedeutungsbildungen zur Entfaltung kommen zu lassen.

K
Die humanistische und systemische Sichtweise ist immer ganzheitlich konzipiert, und für uns ist die gesamte leibseelische Anwesenheit der an der Begegnung beteiligten Menschen selbstverständlich. Deshalb haben wir trotz des im klientenzentrierten Ansatz üblichen auschliesslich verbalen Verfahrens Methoden entwickelt, mit Menschen in einem direkten körperlichen Dialog zu arbeiten. Vertieftes Wissen über die „Energieverwaltung“, die Atmung, Haltung, Beweglichkeit und Lebendigkeit der Menschen, das wir vor allem Wilhelm Reich und seinen NachfolgerInnen verdanken, ist Voraussetzung dafür, dass sich Veränderungen auch wirklich „verkörpern“ können.

Die basalen Werte und Haltungen, die diesen Verfahren zugrunde liegen, sind uns auch heute noch das wichtigste Anliegen. Sie gelten unabhängig von individuellen Unterschieden für jede Begegnung mit sich selber und mit anderen.

Darüber hinaus wurde es für uns zunehmend wichtiger, Menschen auch in ihren Verschiedenheiten wahrzunehmen, diese Unterschiede zu beschreiben und für die therapeutische Arbeit nutzen zu können.

Wir haben innerhalb der Persönlichkeitstheorie ein System entwickelt, um diese Unterschiede beschreiben zu können, das GFK-Charakterstruktur-Modell. Es befasst sich mit den stereotypen Gewohnheiten und Mustern, die Menschen in ihrem Erleben, ihren Handlungen und Sichtweisen gelernt und eingeübt haben und weiterhin gewohnheitsmässig pflegen. Wir nennen sie „strukturgebundene“ Anteile einer Person. Sie sind einerseits oft Begabungen, können aber auch in Not und Verwirrung führen. Ein solcher Anteil kann je nach Ausprägung und gemessen am inneren und äusseren Umfeld auch den „Normalbereich“ verlassen und als „krank“ oder „pathologisch“ erlebt werden.
Unterschiede gibt es auch in der Art und Weise, wie und auf welche Art und Weise wir zu Dingen, Themen und Menschen in Beziehung treten, wie wir uns an sie binden. Modellbildungen über Entwicklungsphasen und Bindungsarten erklären Anforderungen und Möglichkeiten dieser Formen und auch die vielen Missverständnismöglichkeiten, die in unangemessenen und falsch eingeschätzten Beziehungsmustern zu finden sind.

Sehr unterschiedlich sind Menschen auch in der Art und Weise, wie sie sich energetisch organisieren: welche Anteile ihrer Gesamtperson Ladung und Kraft haben, was ihnen an Potential zur Verfügung steht, wie sie es leben können oder eben nicht.

Unsere Theoriebildung über Gesundheit und Krankheit orientiert sich an modernen Selbstorganisationstheorien und systemischen Vorstellungen über Wechselwirkungen in und zwischen individuellen und sozialen Organismen.
Als erkenntnistheoretisches Hintergrundmodell, das in hohem Mass mit unserer Therapietheorie verträglich ist, dient uns der Konstruktivismus und seine Weiterentwicklungen mit der Grundannahme, dass wir keine BeobachterInnen- unabhängige Realität erkennen können.

Auf der theoretischen Ebene leistet auch Focusing als philosophisches Prozessmodell einen wichtigen Beitrag zu erkenntnistheoretischen Fragestellungen. Es ist als Konzeptualisierung selbstorganisierter zirkulärer Prozesse ein ernstzunehmendes Forschungsinstrument und wird auch in gesellschaftlich-politischen Zusammenhängen erprobt.

Ausserdem dient das Anlegen eines grundsätzlich systemischen Blickwinkels dazu, über das individuumzentrierte Denken und das Ein-Personen-Paradigma hinaus immer die Beziehungen und Resonanzen zu sehen: in uns, zu anderen, zu ganzen Gruppen und grösseren Gebilden, zur nicht-menschlichen Welt. Daher ist für uns Therapie auch immer ein politischer und ökologischer Akt.

Unser Verständnis von Psychotherapie
Alles Lebendige entsteht und entwickelt sich selbstorganisierend in zyklischen Prozessen. Individuen und ihre Mit- und Umwelt sind untrennbar verbunden. In ständiger Wechselwirkung bildet sich Leben immer wieder neu. Dabei ist von grosser Wichtigkeit, in welchem kulturellen, politischen, religiösen und geschlechtsspezifischen Kontext eine Person aufwächst und lebt. Genauso wichtig ist es aber, auf welche Art ein Mensch Anstösse in sich verwertet und bewertet und von sich aus wieder handelnd auf die Umwelt zurückwirkt.
Das Selbst einer Person ist kein statisches Gebilde. Lebendige Systeme pendeln in sich selbst organisierenden Prozessen zwischen stabilen und bekannten Anteilen und solchen, die sich auf unvorhersehbare Art und Weise immer wieder neu organisieren oder sogar neu entstehen. Zuviel Chaos und Strukturlosigkeit können stark verunsichernd wirken. Umgekehrt gilt aber auch, dass Menschen in Not geraten, wenn erlernte und eingeübte Gewohnheiten zu starr geworden sind und nicht mehr zu den Lebensumständen einer Person passen. Diese verfestigten Strukturen haben zwar das Überleben gesichert, bringen aber häufig gravierende Einbussen an Lebensqualität mit sich, oft auch eine als schmerzhaft empfundene Entfernung vom Potential, von der Verbundenheit mit der eigenen Biologie, dem eigenen Wesen, der Mitwelt. KlientInnen, die psychotherapeutische Hilfe suchen, erfahren diese Einbussen dann z.B. als Störungen im Arbeits- oder Beziehungsleben, als quälende Symptome oder immer wiederkehrende Schlaufen und Muster, als erstarrte Denkformen oder Gefühlstaubheit, als Irritation oder Verlust ihres Selbstgefühls, als körperliches Unlebendigsein oder als Unfähigkeit, im Alltag zufrieden leben zu können.

Damit KlientInnen wieder in einen lebendigeren oder sicheren Kontakt mit sich selbst und der Umwelt kommen können, erfordert es von ihnen selber Mut, Geduld und aktive Mitarbeit. In der therapeutischen Situation treffen sie auf ein Gegenüber, das nicht nur mit Fachwissen, sondern als ganze Person in einen dialogischen Prozess eintritt und so behutsam dazu verhelfen kann, Alternativen zum momentanen Zustand im Beziehungsfeld erlebbar zu machen.
Dabei ist entscheidend, in welcher Art und Weise TherapeutInnen diese Beziehung konstellieren und wie sie den Entwicklungsprozess ihrer KlientInnen körperlich, gefühlsmässig und intellektuell begleiten. Klientenzentrierte Gesprächs- und KörperpsychotherapeutInnen versuchen immer wieder aufs Neue, eine annehmende, einfühlsame und authentische innere Haltung zu verwirklichen. Sie schaffen aktiv Bedingungen für eine Veränderung. Sie sind nicht nur mit ihrer Sprache, sondern auch mit ihrem Körper und ihrem eigenen Lebendigsein DialogpartnerInnen und berücksichtigen die sprachliche und nichtsprachliche Kommunikation der KlientInnen. Sie bemühen sich, die Beziehungsdynamik zwischen ihnen und den KlientInnen zu verstehen und verschiedenen Bindungsbedürfnissen adäquat zu begegnen. Ihr Interesse gilt auch dem Transfer des im therapeutischen Setting Erfahrenen und Gelernten in den Alltag der Person.

Dieser umfassende therapeutische Kontakt hilft den KlientInnen dabei, nach und nach gewohnte Erlebens- und Handlungsmuster, die sich selbstverständlich auch im therapeutischen Kontakt zeigen, zu erkennen, loszulassen und sich auf eine neue Art und Weise auf ihre inneren Themen und auf ihre Umgebung zu beziehen. So lernen sie, typische strukturgebundene Anteile ihrer Person wahrzunehmen und zu akzeptieren. Sie fassen aber auch immer wieder Mut, Wahlmöglichkeiten zu erwägen, Wahrnehmungskorrekturen vorzunehmen, Beziehungsveränderungen und konkrete Handlungsschritte auszuprobieren.

Im Verlauf der Therapie wächst dann das Vertrauen in prozesshaftes, lebendiges Geschehen im Körper und in den Gedanken, Gefühlen und Handlungen, Vertrauen auch darin, dass sich Sicherheit und Zufriedenheit gerade durch ein lebendiges Gleichgewicht zwischen Stabilität und Veränderung wiedergewinnen lässt. Dieses Vertrauen kann die KlientInnen dann auch dazu ermutigen, die ständige gegenseitige Wechselwirkung und Verbundenheit wieder vertieft wahrzunehmen und deshalb engagiert und verantwortlich mit sich und ihrer Mitwelt in Kontakt zu treten.

aus Konzeptheft 15.2.03


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