Psychosomatische
Störungen
Im Menschenbild der Feldenkrais –
Methode sind Physis und Psyche in der menschlichen Persönlichkeit
untrennbar miteinander verbunden. Die emotionale Verfasstheit eines Menschen
findet ihren Ausdruck in Muskelaktivität, genauso wie eine veränderte
Haltungs- und Handlungsweise auf die emotionale Gestimmtheit des Menschen
rückwirkt. Daher behauptete Feldenkrais schon früh positive
Synergien zwischen Psychotherapie und gleichzeitiger Differenzierung der
kinästhetischen Wahrnehmung. Er weist darauf hin, das wir uns unserer
inneren Zustände, meistens über das Rezeptoren – Feedback
der Muskulatur bewusst werden. Nach Feldenkrais wird eine körperpädagogisch
begleitete Psychotherapie zu schnelleren und nachhaltigeren Heilungserfolgen
führen.
Klaus Schell untersuchte den physio-psychischen
Zusammenhang in seiner Diplomarbeit ''Psychologische Aspekte der Feldenkrais-
Methode. Analyse von Wirkfaktoren und Auswirkungen auf das Selbstkonzept’’.
Schell klärt zuerst theoretisch den Einfluss von strukturierten Körpererfahrungen
in der Feldenkrais–Methode und deren Wirkungen auf das Selbstkonzept
und die Zusammenhänge von Selbst- und Umweltwahrnehmung. Darauf überprüft
er seine Thesen in einer qualitativen, empirischen Studie. In seiner Zusammenfassung
betont Schell eine deutliche Zunahme der Wahrnehmungsfähigkeit von
kinästhetischen, emotionalen und raumzeitlichen Phänomenen.
Die Studie zeigte bei den befragten
Personen:
- ein ausgeprägteres Körperempfinden, verbunden
mit der Fähigkeit eigene Ressourcen besser zu erkennen und einschätzen
zu können;
- eigene Bedürfnisse differenzierter wahrzunehmen und adäquater
im sozialen Umfeld artikulieren zu können, bei gleichzeitiger
Zunahme der Empathie
- deutlicher die Wechselwirkungen zwischen sächlicher Umwelt
und eigenem Befinden erleben zu können.
Schell nennt damit wesentliche persönlichkeitsbildende
Aspekte der Feldenkrais-Methode mit ihrer impliziten gesundheitspräventiven
Wirkung. Anwendung findet die Feldenkrais-Methode vermehrt in multimodalen
psychosomatischen Therapien. Der Leiter der Parkklinik, Rehabilitationszentrum
für Psychosomatik, in Bad Bergzabern, Dr. Dr. med. Norbert Klinkenberg
beschreibt die Feldenkrais-Methode bei der Therapie von psychosomatischen
Störungen mit Krankheitswert. Klinkenberg ist Mediziner und Feldenkrais-
Pädagoge. In seiner 2000 erschienen Publikation, betont er die positive
Wechselwirkung zwischen psychotherapeutischen Interventionen und der Feldenkrais-Methode
gerade bei psychosomatischen Erkrankungen. Das Zusammenwirken von Verhaltenspsychotherapie
und Feldenkrais-Methode begründet er dabei aus den Parallelen im
theoretischen Hintergrund beider Methoden. Die Instrumente der kognitiv
geprägten Verhaltenspsychotherapie ergänzt er um die leiborientierten
Instrumente der Feldenkrais- Methode.
Zu den therapeutisch erwünschten
Effekten gehören:
- die verbesserte Wahrnehmung lokomotorischer Muster
und grösseres Vertrauen in die eigenen Körpersignale
- das Erleben positiver Veränderungen wird erleichtert
- die Verbesserung von Selbstmanagement und Eigenkontrolle
- Lösen von ängstlicher Einengung und Fixierung auf eingeschliffene
Bewegungsmuster oder Fixierung auf Schmerzsymptome
- Abbau von übermässiger Anspannung und Haltearbeit
- Aufbau eines positiven Körperschemas
Klinkenberg veranschaulicht in Fallbeispielen
den positiven Nutzen durch den Einsatz der Feldenkrais-Methode in der
Therapie von Schmerzstörungen, Tinnitus, Schlaf- und Essstörungen,
sowie Erkrankungen im Zusammenhang mit Ich-Bild und Körperbildstörungen.
Jan-Olav Hinz
Klaus Schell, 2000, Psychologische Aspekte der Feldenkrais-
Methode. Analyse von Wirkfaktoren und Auswirkungen auf das Selbstkonzept,
Diplomarbeit an der Carl-von-Ossietzky-Universität, Oldenburg.
Dr. Dr. med. Norbert Klinkenberg, 2000,
„Feldenkrais-Pädagogik und Körperverhaltenstherapie“,
Stuttgart, Pfeiffer bei Klett-Cotta
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